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18.01.2021 Sandra Grollich

Lesen am GKP

Der englische Schriftsteller und Politiker Joseph Addison fasste einmal zusammen: „Lesen ist für den Geist, was Gymnastik für den Körper ist.“

Sprache ist, ob mündlich oder schriftlich kundgetan, die elementarste Ausdrucksform des Denkens. Sprache gibt Denkprozessen Struktur und ist ihre Grundlage. Lesen gehört neben der Sprach- und Schreibkompetenz zu denjenigen Schlüsselqualifikationen, die uns erst ein Verständnis der Welt und des menschlichen Miteinanders ermöglichen. Das Vorlesen und Lesen von Büchern, ungeachtet ihres Genres, fördern deshalb die individuelle Sprachentwicklung, das Denken, die Vorstellungskraft und letztlich die Phantasie wie kein anderes Medium. Aus diesen Gründen bekommt das Lesen eine elementar wichtige Funktion bei der Persönlichkeitsentwicklung und der sozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Die Digitalisierung hat die Welt in den vergangenen Jahren erheblich verändert – und damit auch das Lesen von Büchern und folglich das Leseverhalten von Kindern und Jugendlichen. Auch im schulischen Kontext erleichtert die Digitalisierung viele Abläufe und lässt sich an sehr vielen Stellen in das Unterrichtsgeschehen und den Lernprozess einbinden.

Nicht wenige Wissenschaftler, Autoren und Politiker fürchten allerdings, dass mit der Dominanz von Computern, Tablets, Smartphones und dem Internet das lesende Erschließen der Welt an Bedeutung verlieren könnte. Auch steigt die Sorge, dass Kinder und Jugendliche, die in einer digitalisierten Welt heranwachsen, eine der wichtigsten Kulturtechniken verlernen, das Lesen.

Daher unterstützen wir am Gymnasium Köln-Pesch in vielfältiger Weise die Leseförderung von Kindern und Jugendlichen, denn in einer zunehmend heterogenen und digitalisierten Gesellschaft mit immer komplexeren Prozessen sind solche Eigenschaften mehr denn je notwendig. Die Förderung der Lesekompetenz und der Lesemotivation bei Kindern und Jugendlichen beschränkt sich nicht nur auf den Deutschunterricht, auch wenn dieser einen zentralen Stellenwert in der Leserförderung markiert, sondern findet in allen Fächer und diversen Formen statt. An dieser Stelle soll exemplarisch anhand einiger ausgewählter Aspekte dargestellt werden, inwiefern Leseförderung auf vielfältige Art und Weise Gegenstand des Unterrichtsgeschehens, aber auch im erweiterten Schulleben des Gymnasiums Köln-Pesch ist.

Ausführungen hierzu finden Sie unter den unten stehenden Links und Pictogrammen!


Quellenverweis: Klonowski, Martin (2013): Grußwort. In: Jörg F. Maas, Simone C. Ehmig (Hrsg.): Zukunft des Lesens. Was bedeuten Generationswechsel, demografischer und technischer Wandel für das Lesen und den Lesebegriff? Ergebnisse einer Tagung der Stiftung Lesen. Mainz.

  • „Menschen, die lesen, die es gelernt haben, sich auf einen längeren Gedankengang einzulassen, auf eine hintergründige Geschichte, auf einen vielschichtigen Roman, das sind meist auch Menschen, die wissen, dass das Leben nicht aus einfachen Lösungen besteht, dass es kompliziert sein kann, dass oft Umwege zu wichtigen Zielen führen“, so der ehemalige Bundespräsident Rau. Diesem Verständnis von Lesen geht eine gewisse Motivation zum Lesen voraus, die nicht bei jedem Kind vorausgesetzt werden kann. Um die Lesemotivation der Schülerinnen und Schüler zu fördern, findet am Gymnasium Köln-Pesch – neben der Leseförderung im Unterricht – auch eine gezielte Förderung in außerunterrichtlichen Projekten statt, so zum Beispiel in den Lesestunden. Einmal pro Monat findet für jede Klasse der Jahrgangsstufen 5-9 eine Lesestunde in der hauseigenen Schulbibliothek statt. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten während dieser Zeit an Projekten, die jeweils ein Schulhalbjahr umfassen und zum Teil in einer Präsentation münden. Damit soll eine aktive Auseinandersetzung mit dem Medium Buch gefördert sowie die Lesemotivation der Schülerinnen und Schüler gesteigert werden. Gleichzeitig wird über diesen Weg Lesekompetenz durch ganz verschiedene Herangehensweisen an das Medium Buch geschult. Ziel ist es, möglichst vielen Lese- und Lerntypen einen Zugang zu den Texten zu ermöglichen.

    • Im ersten Halbjahr an der neuen Schule lernen die Schüler*innen zunächst die Schulbibliothek besser kennen. Darüber hinaus lernen sie wie man ein Lesetagebuch zu einem Buch führt. In jeder Lesestunde nehmen sich die Lernenden jeweils ein Buch aus den Regalen der Bibliothek oder bringen ein eigenes Buch von Zuhause mit, dass aktuell privat gelesen wird. Die ersten 20 Minuten bekommen die Lernenden reine Lesezeit. Im Anschluss an die Lesezeit erhalten die Schüler*innen ein vorstrukturiertes Lesetagebuch, in welches sie ihr neu erworbenes Wissen zu den gelesenen Seiten des ausgewählten Buches eintragen. Dadurch soll eine umfassende, reflektierte und vertiefte Auseinandersetzung mit dem Gelesenen stattfinden.

    • In den Lesestunden bereiten die Schüler*innen den Vorlesewettbewerb vor. Gegen Ende des Jahres findet für alle Lesebegeisterten dann der schulinterne Vorentscheid zum bundesweiten Vorlesewettbewerb statt. In den Lesestunden haben die Schüler*innen Zeit, sich mit einem Buch intensiv zu beschäftigen. Es wird das Vorlesen geübt, aber auch wie eine Buchvorstellung durchgeführt werden sollte. Jede Klasse wählt sodann eine Klassensiegerin oder einen Klassensieger. Letztlich treten alle Klassensieger*innen der Jahrgangsstufe 6 gegeneinander an und die Schulsiegerin oder der Schulsieger darf dann im Januar die Schule beim Regionalentscheid vertreten, bevor es vielleicht auf der Bezirks- und Landesebene weitergeht.

      Außerdem werden Leserollen angefertigt. Die Leserolle ist eine Weiterführung des Lesetagebuchs und stellt eine Form eines Lese-Portfolios dar, das die Ergebnisse einer längeren Phase selbstständigen Arbeitens dokumentiert. In der Leserolle bewahren die Schüler*innen ihre Bearbeitungen von bestimmten Wahl- und Pflichtaufgaben auf, die sie aus einem Aufgabenangebot ausgewählt haben. Die Rolle selbst wird außen passend und ansprechend zum Buch gestaltet, so dass sie neugierig macht auf den Inhalt.

    • Die Schüler*innen arbeiten klassenintern in Gruppenarbeit an einem Plakat, das die Besucher des Tags der offenen Tür über einen Aspekt der Lesekultur an der Schule informiert (Bibliothek, Lesungen, Lektüren im Unterricht, etc.). Weiterhin erhält jede Gruppe ein Buch zur kreativen Umgestaltung. Die Bücher können angemalt, beklebt oder gefaltet werden. Außerdem geht es darum, eine Leseempfehlung zu einem Buch zu verfassen und zu gestalten. Der Kreativität und Phantasie der Schülerschaft werden hier keine Grenzen gesetzt.

    • In diesen Lesestunden geht es um eine kreative Aufgabe. Die Schüler*innen sollen ein Buchcover gestalten. Das Projekt-Thema heißt daher Cover-Wettbewerb! Die Lernenden haben Zeit, ein Buch auszuwählen, zu welchem sie gerne ein Alternativcover entwerfen wollen. Dabei soll vor allem auf Details, die Farbgestaltung oder die Perspektive geachtet werden. Die Schüler*innen stellen ihre Ergebnisse zum Schluss vor und erklären ihr fertiges Cover mithilfe der vorbereiteten Blitzlichtpräsentation. Letztlich findet ein klasseninterner Cover-Wettbewerb statt, bei dem die kreativste Cover-Gestaltung in einem Galeriegang von der Klasse auswählt wird. Zudem wird ab Klasse acht viel Zeit zum alleinigen Lesen und Schmökern in der Bibliothek gewährt.

    • In diesen Lesestunden werden die Schüler*innen zu kleinen Medienprofis im Bereich Online-Bücherwerbung. Es werden in Gruppenarbeit kurze Videos für einen eigenen Book-Channel gedreht. Alles wird präzise von der ersten Notiz über das Drehbuch bis hin zum fertigen Video kriteriengeleitet geplant und umgesetzt. Die Videos werden mit den schuleigenen iPads gedreht. Auch der neunten Jahrgangsstufe wird zudem viel Zeit zum alleinigen Lesen und Schmökern in der Bibliothek gewährt.

  • Die Schüler*innen der Jahrgangsstufe 5 erwartet gleich zu Beginn ihrer Schulzeit am Gymnasium Köln-Pesch ein aufregendes Ereignis: Interessierte Leseratten können an unserer Lesenacht teilnehmen und einen ganzen Abend in der Schule in ihren Lieblingsbüchern schmökern, Lesezeichen basteln, das Bücherquiz knacken, leckeres Essen und Softgetränke genießen und vieles mehr rund ums Thema Lesen erleben. Hierfür wird eine Bewerbung in Form eines vorgegeben Projekts notwendig, z.B. basteln/malen die Kinder eine Leseratte oder einen Bücherwurm. Die kreativsten Ideen gewinnen, worüber ebenfalls die Kinder für Lesenacht ausgewählt werden.

  • Gegen Ende des Jahres findet für alle Lesebegeisterten in der Jahrgangsstufe 6 der schulinterne Vorentscheid zum bundesweiten Vorlesewettbewerb statt. Dazu treten die Klassensieger*innen gegeneinander an. Dies findet vor dem gesamten 6. Jahrgang in unserem Pädagogischen Zentrum statt. Eine schulinterne Jury kürt hierbei unsere*n Schulsieger*in. Wer gewinnt, vertritt die Schule beim Regionalentscheid im Januar, bevor es vielleicht auf der Bezirks- und Landesebene weitergeht.

  • Jedes Jahr im Frühherbst findet eine Lesung für die siebte Jahrgangsstufe in Kooperation mit dem Friedrich-Bödecker-Kreis und gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW statt. Bei der Lesung bekommen die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, neben neuen Leseanregungen einmal einen Einblick in den Entstehungsprozess eines Romans und das Leben einer Autorin oder eines Autors zu erhalten, auch indem die Schülerinnen und Schüler bei der Lesung direkt mit der Autorin oder dem Autor in Kontakt treten und Fragen stellen können.

    Lesung der Autorin Astrid Frank am 1. September 2021

    Neun Uhr. Neugierige Schülerinnen und Schüler der siebten Klassen strömen ins PZ. Kurz ist es noch unruhig, doch dann beginnt die Autorin ASTRID FRANK mit ihrer Lesung, spricht die Kinder an - und es wird mucksmäuschenstill...

    Wie gebannt hören sich die Schülerinnen und Schüler die Geschichte der Romanfigur Anna an, die plötzlich zur Außenseiterin wird, als ein neues Mädchen in ihre Klasse kommt. Aber Astrid Frank liest nicht einfach vor, sie erklärt sehr anschaulich und einfühlsam, was Anna passiert, wie es zu den Geschehnissen in Annas Klasse kommen kann.

    So hören die Pescher Kinder nicht nur zu, sondern denken und fühlen mit, „erleben“ Annas Schicksal: Die Schülerinnen und Schüler berichten von ihren eigenen Erfahrungen im Schulalltag, suchen nach Lösungswegen für Anna, aber auch nach Möglichkeiten, wie man Ausgrenzung in einer Gruppe von Anfang an verhindern kann. Und die Autorin hilft ihnen, hier Ansätze für die jeweilige Klasse zu finden.

    Astrid Franks Lesung zu ihrem Roman UNSICHTBARE WUNDEN setzt so positive Impulse und wird damit ein unvergesslicher und nachhaltiger Moment in der Schullaufbahn der Pescher Schülerinnen und Schüler.

    Einen Dank an die helfenden Hände aus der Technik-AG und natürlich an die Autorin.

    Wir freuen uns schon, Frau Frank im nächsten Jahr wieder bei uns begrüßen zu dürfen!